Perspektiven, Chancen, Risiken und Nebenwirkungen …

    
Ein neues Schuljahr beginnt. Viele Erwartungen liegen in der Luft. Schüler haben klare Ziele, Lehrer große Pläne und zwischen allem gibt es immer mal wieder die Frage nach dem Religionsunterricht. Gehört er an die Schule oder nicht? Verschiedene Meinungen und Positionen prallen aufeinander. Der Georgsbote will dieses Thema aufgreifen und hat sich mal umgehört:

Ein fiktives Gespräch zwischen einem, der schon immer hier wohnt (O.), einem, der von drüben hergezogen ist (W.) und jemandem, den das eigentlich am meisten betrifft (Sch., 9 Jahre alt) auf dem Pfarrhof:

W.: Sie kommen doch von hier. Sie kennen sich doch hier aus. Sie kann ich fragen: Wissen Sie, wieso an der Grundschule XY kein Religionsunterricht erteilt wird? Man liest ja immer mal wieder, dass das hier die gottloseste Gegend sein soll, aber richtig geglaubt habe ich das nicht. Jetzt komme ich doch ins Grübeln.

O.: Nein, Religionsunterricht gibt es an den Grundschulen nicht. Zum Glück! Dafür müssen die Kinder schon ins Pfarrhaus kommen. Das ist dort immer nachmittags. Da sind die Kinder gut aufgehoben. Der Pfarrer kennt seine Schäfchen. Und hier war das schon immer so. Ich kann mich da noch gut an meine Kindheit erinnern…! Das war immer so schön im Pfarrhaus.

W.: Das ist ja eine eigenartige Regelung: Unterricht im Pfarrhaus. Und dann auch noch am Nachmittag! Das wird ja ein langer Schultag! Um die Uhrzeit können sich doch die Kinder nicht mehr konzentrieren! Und wer unterrichtet das dann hier im Pfarrhaus? Kommt dann der Lehrer aus der Schule hierher?

O.: Nein, die Lehrer machen das nicht. Die können das gar nicht. Oder es gibt keine. Das macht jemand aus der Gemeinde.

W.: Ich dachte immer, der Religionsunterricht steht im Grundgesetz. Und das gilt ja seit der Wiedervereinigung hier genauso. Hat die Kirche das denn nicht nötig, an die Schulen zu gehen?

O.: Wieso nötig? Die Kinder kommen doch gern hierher. Die kennen sich hier aus. Die sind unter sich. Das ist bestimmt etwas lockerer und nicht so streng wie in der Schule. Naja, später gibt es dann auch Zensuren, aber das klappt gut…

Sch.: (hebt seine Hand, als ob er sich meldet, will auch etwas sagen, aber kommt nicht zu Wort) …

O.: … Und man erfährt gleich, was in der Gemeinde los ist.

W.: Dann muss ich mir das mit Ethik doch nochmal überlegen. Das ist mir ja gar nicht recht. Oder vielleicht geht mein Sohn sogar zum Evangelischen Religionsunterricht.

O.: Na, das würde ich mir gut überlegen.

Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.