Die Religionslehrer: Eine Spezies für sich?

    
Fragt man Schüler, was sie von ihrem Religionslehrer erwarten, hört man Stichworte wie „gerecht, humorvoll, nicht weltfremd,… wie ein normaler Lehrer eben sein soll“. Schüler machen also keine Unterschiede bei den Ansprüchen an einzelne Fachlehrer. Eltern oder kirchliche Mitarbeiter sehen das schon anders: „Der Religionslehrer sollte sich in der Gemeinde engagieren, jeden Sonntag in der Kirche anzutreffen sein, den Schüler für Gemeinde und Kirche begeistern…“ Und tatsächlich gibt es für Religionslehrer nicht nur besondere Bestimmungen, sondern mitunter auch Einzelfalllösungen:
Zuerst soll der Religionsunterricht von staatlichen Lehrkräften abgedeckt werden. Sie werden, wenn die Gruppenstärke eine Zahl von 8 Kindern nicht unterschreitet, auch vom Arbeitgeber bezahlt, in Sachsen in öffentlichen Schulen demnach vom Freistaat. Wenn keine staatlichen Lehrkräfte zur Verfügung stehen, können kirchliche Lehrkräfte einspringen. Für sie erhält die Kirche einen finanziellen Ersatz. Der Alltag eines staatlich anerkannten bzw. ausgebildeten Religionslehrers kann sehr unterschiedlich sein: Entweder ist man „Wanderlehrer“ und unterrichtet an zig Schulen nur Religionsunterricht, teilweise von Klasse 1 bis 10, hat eine Stammschule, der man auf dem Papier zugeordnet ist, und fährt jede Woche viele Kilometer. Oder man ist Lehrer für mehrere Fächer, eins davon ist Religion. Man arbeitet an einer Schule, ist nicht nur auf dem Papier Teil des Schulkollegiums, hat mehr Möglichkeiten, Religion an der Schule zu etablieren, in Projekten und Schultraditionen mitzuwirken und Präsenz zu zeigen.

Wer katholischer Religionslehrer werden will, kann dies in Mitteldeutschland in Halle, Erfurt oder Dresden studieren. Auch Referendariatsplätze nach dem Studium sind jetzt häufiger vorhanden als noch vor zehn Jahren. Das ist vor allem den Kollegen zu verdanken, die als „Wanderlehrer“ zum Teil mehrere Referendare an verschiedenen Schulen gleichzeitig betreuten und noch betreuen. Um nach dem Studium in den Vorbereitungsdienst gehen zu können, braucht man für das Fach Katholische Religion (Evangelische Religion) eine, zunächst vorläufige, kirchliche Unterrichtserlaubnis: Missio Canonica (Vokation), die nach dem Vorbereitungsdienst erneut beantragt werden muss. Dafür gibt es von der Deutschen Bischofskonferenz einheitliche Rahmenrichtlinien. Zunächst ist die fachliche Qualifikation nachzuweisen, also ein erfolgreich abgeschlossenes Studium bzw. danach der Vorbereitungsdienst. Dann muss natürlich die Taufe, Firmung, ggf. die kirchliche Trauung und die Taufe der Kinder nachgewiesen werden und zwei Personen aus dem kirchlichen Raum geben eine Referenz ab. Davon muss eine Person ein Priester sein, möglichst der, zu dessen Gemeinde man wohnsitzmäßig gehört. Ausschlaggebend ist, dass der Religionslehrer in der persönlichen Lebensführung die Grundsätze der katholischen Kirche beachtet. In manchen Bistümern wird die „Missio Canonica“ sogar in einem feierlichen Gottesdienst übergeben. Doch neben den Kirchen haben auch die Religionslehrer selber noch andere Rechte: Im sächsischen Schulgesetz steht: „Kein Lehrer darf gegen seinen Willen gezwungen werden, Religionsunterricht zu erteilen.“

Das Bild des Religionslehrers hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neben den vielen Vorurteilen und manchem Misstrauen, denen Religionslehrer nach wie vor ausgesetzt sind, sollte man eines nicht vergessen: Sie sind im Religionsunterricht auch nur Menschen, aber im Schulalltag als Christen erlebbar und fühlen sich dazu berufen, von ihrem eigenen Glauben zu erzählen.