Hinter den Kulissen …

… von Räumen und Zeiten gibt es vieles zu entdecken. Dazu laden die folgenden Seiten ein. Gleichzeitig soll dies Anregung sein, die Zukunft hier in Gohlis weiterzuschreiben, sich mit den eigenen Fähigkeiten einzubringen und das Leben rund um unsere Kirche bunt zu gestalten – nicht als wiederholte Geschichte, sondern kreativ in veränderter Zeit.

Hintergründe

Ein König will Gott sehen …

© Kath. Kinderzeitschrift Regenbogen

Im großen Dschungel lebt der Kö­nig der Tiere, der Löwe. Er regiert schon sehr lange. Aber irgend­wann beginnt er, alt und müde zu werden. Er will sterben. Er hat vom Leben genug.

„Schaut her“, sagt er. „Ich habe in meinem Leben alles erlebt, was man erfahren kann. Ich habe viel gesehen und gehört. Nur eines habe ich noch nie getan: Ich habe Gott nie gesehen. Er hat uns Tiere gemacht, den Dschungel, das Wasser, den Himmel und die Sonne. Für die Nacht hat er uns all die Sterne geschenkt, die uns durch das Dunkel leuchten. Das sind alles Dinge, die er gemacht hat. Aber ihn selbst habe ich nie erblickt.“

Deshalb befiehlt er allen seinen Untertanen: „Zeigt mir Gott!“

Die Geparden jagen durch den ganzen Dschungel. Sie finden Gott nicht. Die weisen Eulen grübeln und denken nach. Aber ihnen fällt kein Ort ein, wo Gott sein könnte. Alle Vögel fliegen in den Himmel und suchen Gott zwischen den Wolken. Auch dort ist er nicht zu finden.

Da kommt eine kleine, graue Maus daher. Sie hat den Befehl des Löwen gehört. Sie verbeugt sich vor seiner königlichen Ho­heit, dem Löwen: „Erlaube mir, deinen Wunsch zu erfüllen!“, sagt die Maus. „Gib Acht, kleine Maus! Wenn du mir Gott nicht zeigen kannst, bist du meine Vorspeise!“, antwortet der Löwe ihr hochnäsig.

Die Maus führt den Löwen auf einen Hügel. „Sieh in die Sonne!“, fordert sie den Löwen auf und deutet mit ihrer Spitznase auf den gelben Ball. Der Löwe blinzelt in das helle Licht. „Willst du mich blind machen? Das Licht ist für mich viel zu hell!“, sagt er.

„Siehst du“, meint das Mäuschen. Du schaffst es nicht, in die Sonne zu sehen. Sie ist nur ein kleiner Feuerball. Weißt du, wie viele es in der Weite des Universums gibt? Und du willst in Gottes Gesicht schauen? Du kannst deine Augen nicht einmal ein paar Sekunden in der Sonne offen halten!“ Der Löwe ist tief beeindruckt und denkt: „Dieses graue Tierlein, wie schlau es doch ist.“

 „Eine kleine Frage hätte ich noch“, antwortet der Löwe. „Wie ist Gott?“

„Wenn du das wissen möchtest, dann musst du die Welt durch die Augen von Mäusen betrachten. Du als König der Löwen wirst für eine kurze Zeit das sehen, was wir kleine Tiere gesehen haben.“ Weil das Herz des Königs weich gewor­den ist, willigt er ein.

Das Mäuschen befiehlt dem Löwen: „Schließ deine Augen für einen Moment.“ Der Löwe tut, worum ihn die Maus gebeten hat.

Als der Löwe sie wieder aufmacht, sieht er durch die Augen der Maus

einen armseligen Stall. Eine junge Frau legt ein Neugeborenes in die Futterkrippe. Noch ein zweites Bild kann er sehen. Seine Augen erblicken ein großes, grob gezim­mertes Holzkreuz. Ein Mann wird ans Kreuz geschlagen. Neben ihm hängen zwei Verbrecher. Es ist Je­sus, der Sohn Gottes, der unschul­dig ans Kreuz genagelt wird.

Aus den Augenwinkeln des Löwen purzeln ein paar Tränen. In sei­nem Herz macht sich ein Glücks­gefühl breit. „Jetzt sehe ich Gott!“, sagt er und lächelt.